Live-Klasse
Heißhunger verstehen

Warum du um 15 Uhr Schokolade willst.

Der Griff in die Schublade am Nachmittag ist kein Zeichen von schwachem Willen. Er hat Gründe, die meistens schon am Morgen anfangen. Und die kannst du ändern.

Schwarzer Kaffee in einer weißen Tasse, daneben zwei Stücke Schokolade auf einem grauen Tuch

Fast jede Frau, die zu mir kommt, erzählt mir irgendwann dieselbe Geschichte. Der Vormittag läuft gut, das Mittagessen ist „vernünftig“, und dann, zwischen drei und vier, steht sie vor dem Automaten, der Keksschale in der Teeküche oder der eigenen Schreibtischschublade. Erst ein Stück. Dann noch eins.

Danach kommt das schlechte Gewissen, und abends der Gedanke: Morgen reiß ich mich zusammen. Das klappt selten, weil Zusammenreißen das Problem nicht löst. Der Heißhunger am Nachmittag ist kein Charakterfehler. Er ist das Ergebnis von vier Dingen, die vorher passiert sind.

1. Am Morgen fehlt etwas

Kaffee im Stehen, vielleicht ein Croissant auf dem Weg. Viele meiner Klientinnen kommen bis zum Mittag mit sehr wenig Essen und noch weniger Eiweiß aus. Das fühlt sich zunächst gut an, weil der Kopf beschäftigt ist und der Hunger sich zurückhält.

Aber der Körper führt Buch. Was am Vormittag fehlt, holt er sich später, und zwar bevorzugt in Form von Dingen, die schnell Energie liefern. Eiweiß ist dabei der Nährstoff, der am längsten satt hält. Die DGE empfiehlt für Erwachsene etwa 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht am Tag. Wer davon bis mittags fast nichts gegessen hat, startet mit einem Minus in den Nachmittag.

2. Das Mittagessen trägt nicht

Ein belegtes Brötchen, eine Portion Nudeln mit Tomatensoße oder ein süßes Teilchen zwischen zwei Terminen. Alles nicht verboten. Aber wenn ein Mittagessen fast nur aus hellem Mehl besteht und kaum Gemüse, Eiweiß oder Ballaststoffe enthält, wird es schnell verdaut. Der Blutzucker steigt zügig an und fällt danach wieder ab. Viele spüren genau das ein, zwei Stunden später als Müdigkeit und Lust auf etwas Süßes.

Ein Mittagessen nach der Tellerformel sieht anders aus: die Hälfte Gemüse, ein Viertel Eiweiß, ein Viertel sättigende Beilage wie Vollkorn, Kartoffeln oder Hülsenfrüchte. Das ist nicht kalorienärmer, sondern langsamer. Und langsam ist am Nachmittag genau das, was du willst.

3. Das Tief kommt sowieso

Auch mit dem besten Mittagessen wirst du am frühen Nachmittag etwas müder. Das Leistungstief nach dem Mittag ist ein Teil unseres Tagesrhythmus und kein persönliches Versagen. Das Problem ist nicht das Tief, sondern was wir daraus machen. Müdigkeit fühlt sich oft an wie Hunger, und Schokolade ist das Naheliegendste, was in Reichweite liegt.

Dazu kommt der Schlaf. Wer zu kurz oder schlecht geschlafen hat, hat am nächsten Tag messbar mehr Appetit, vor allem auf Süßes und Fettiges. Nach einer kurzen Nacht brauchst du am Nachmittag also nicht mehr Willenskraft, sondern einen besseren Plan.

4. Die Gewohnheit sitzt in der Teeküche

Der vierte Grund ist der unspektakulärste: Gewohnheit. Wenn du jeden Tag um 15 Uhr zur Kaffeemaschine gehst und dort jeden Tag die Kekse stehen, verknüpft dein Kopf die beiden. Irgendwann greifst du zu, ohne Hunger zu haben. Das ist nicht schlimm, aber gut zu wissen, denn Gewohnheiten lassen sich umbauen.

Kurz gesagt: Der Heißhunger um 15 Uhr entsteht aus zu wenig Essen am Morgen, einem Mittagessen ohne Halt, dem normalen Tief am Nachmittag und einer Gewohnheit. Keiner dieser Gründe heißt „zu wenig Disziplin“.

Was wirklich hilft

  • Eiweiß bis mittags. Ein Frühstück mit Joghurt oder Quark, Eiern, Käse oder Hummus. Wer morgens nichts runterbekommt, packt es für 10 Uhr ein.
  • Ein Mittag nach der Tellerformel. Auch in der Kantine: zuerst Gemüse auf den Teller, dann das Eiweiß, dann die Beilage.
  • Die geplante Zwischenmahlzeit. Bei mir heißt das „3 + 1“: drei echte Mahlzeiten und eine geplante Zwischenmahlzeit. Um 15 Uhr zum Beispiel ein Naturjoghurt mit Beeren und Nüssen, ein Apfel mit Erdnussmus oder Gemüsesticks mit Hummus. Etwas mit Eiweiß oder Fett, nicht nur Obst.
  • Schokolade mit Plan. Wenn du Schokolade willst, iss sie, aber bewusst: direkt nach dem Mittagessen als Nachtisch, auf einem Teller, im Sitzen. Dann ist sie eine Entscheidung und kein Reflex.

Du musst nicht alles auf einmal ändern. Fang mit einer Sache an, am besten mit der geplanten Zwischenmahlzeit. Sie ist der kleinste Schritt mit der größten Wirkung, weil sie genau dort ansetzt, wo dein Tag kippt.

Kostenlos, live, 60 Minuten

In der Live-Klasse „Schluss mit dem 15-Uhr-Heißhunger“ am 29. Oktober um 19 Uhr gehen wir das zusammen durch, mit Beispielen aus deinem Alltag.